
Günter Renz
Stade
Borkum-Übung Mai 1961
Panzergrenadierbataillon 82
4. Kompanie
Mein Name ist
Günter Renz, Jahrgang 1940.
Nach der Grundausbildung in der 3./71, Seedorf bei Zeven, 4.7.1960-30.09.1960, kam ich in die 4./82 in die Schlieffenkaserne.
Hier diente ich bis Ende Juni 1961 und wurde als Gefreiter entlassen.
Ich war hauptsächlich im 1. Zug in der 1. Gruppe. Als aktiver Fußballer war ich ein guter Läufer und fiel dem Zugführer Lt. Bagger als 2. Sieger beim 5000 m-Lauf auf. Er machte mich dann zu seinem Zugmelder. Der Chef war damals Major Grabow, Zugführer Lt. Bagger, KpFw der HFw Prigge, mein Gruppenführer der Uffz Langner.
Den folgenden Bericht widme ich meinem Freund und Kameraden Hans-Peter Felten, er diente in der 2./82.
Wir kannten uns als Lüneburger aus der Berufsschulzeit, da wir beide Bäcker lernten.
Hans-Peter Felten und weitere Soldaten ertranken bei der Borkum-Übung. Noch am Nachmittag des 16. Mai 1961, des Unglückstages, unterhielt ich mich mit Hans-Peter.
Es ging um unsere weitere Zukunft als Zivilisten, endete doch unsere Wehrpflicht am 30.06.1961.
Bereits vier Wochen vorher übten wir für die Landemanöver der NATO-Übung Wolf Orange vor Borkum.
Geplant war demnach ein Anlanden mittels Landungsschiffen und Amphibienfahrzeugen (DUKW). Auf der Insel sollte dann ein Brückenkopf gebildet werden.

In der Turnhalle übten wir das Verlassen des Landungsschiffes mit Enternetzen. Diese hingen an der Galerie der Turnhalle herunter. Alles geschah mit voller Ausrüstung.

Endlich war er da, der Tag X.
Lastkraftwagen brachten uns zum Hamburger Hafen. Hier lagen bereits die Landungsschiffe des 2. Landungsgeschwaders. Ich erinnere mich an L 750 Krokodil, L 751 Eidechse. Wie aus den Bildern zu ersehen, nahm auch L 752 Salamander teil.
Ich kam auf die L750 Krokodil.

Berichtigung : Die L752 ist die Salamander und nicht die Krokodil.

Kaum waren wir an Bord, hieß es:“ Bäcker und Köche rechts raus!“.
Also landete ich zunächst in der Kombüse, um dem Küchenmaat zu helfen. Dann legten die Schiffe ab in Richtung Helgoland, Borkum. An Bord gab es ein hervorragendes Essen. Die Nacht verbrachten wir in Hängematten.
Die Übung begann gegen 0400 Uhr morgens. Ein wunderschöner Sonnenaufgang versprach für den Tag ein Bilderbuchwetter.
Wie in der Sporthalle geübt, verließen wir das Landungsschiff über die Bordkante mit Enternetzen. Längsseits lagen die Amphibienfahrzeuge.
Ich bepackt mit voller Ausrüstung ( Gewehr, Helm, Sturmgepäck, Magazintaschen, ABC-Schutzmaske) und zusätzlich noch mit der Panzerfaust. Gott sei Dank war die unhandlichere Bazooka durch sie ersetzt worden. An Land gingen wir dann durch eine von den Pionieren angelegte Minengasse ins Inland, um den Brückenkopf zu bilden bzw. zu verstärken. Dort waren nämlich auch schon Fallschirmjäger gelandet, was wir aber nicht beobachten konnten. Nach ungefähr zwei Stunden brachten uns Hubschrauber an den Strand zurück.
Nun hatten wir zunächst frei.
Gegen 1700 Uhr begann dann das Besetzen der Amphibienfahrzeuge, um mit ihnen auf das Landungsschiff zu gelangen. Wir saßen in den DUKW, natürlich wieder voll ausgerüstet, die Gewehre zwischen den Knien. Ein DUKW versuchte mehrmals, über die Landeklappe auf das Schiff zu gelangen. Plötzlich hob sich der Bug des Bootes und es kippte kopfüber nach hinten. Die Kameraden fielen aus dem Fahrzeug. Da es auch noch ablaufendes Wasser gab, hatten mehrere Kameraden keine Chance mehr. Die Ausrüstung und der schnell vollgesogene Kampfanzug zogen sie in die Tiefe. Das ablaufende Wasser verschärfte die schwierige Situation..Trotz der Rettungsflöße und dem Einsatz der Marinekameraden, ertranken drei Soldaten des Bataillons. Ebenso ein Marinesoldat, der noch drei Kameraden vor dem Ertrinken retten konnte und dann selbst ertrank.
Es starben die jungen Soldaten:
Hans-Peter Felten, 2./82
Heinrich Albers, 2./82
Kurt Schmidt, 4./82
Marinesoldat 

Der Name des ertrunkenen Marinesoldaten ist mir nicht bekannt. Der Kamerad Felten konnte erst drei Tage später geborgen werden.
Überlebt hatte u. a. mein Kamerad aus der Grundausbildungszeit, Fidi Penke. Auch er hatte verzweifelt mit dem Wasser gekämpft und rief immer :“ Mein Gewehr! Mein Gewehr!“. Erst auf Zuruf eines Marinesoldaten ließ er seine „Braut“ los. Er erhielt dann als Überlebender nach der Heimkehr 14 Tage Sonderurlaub. Auf der Rückfahrt nach Hamburg passierten wir das Willkommhöft beim Schulauer Fährhaus. An der Reling angetreten, wurden wir mit der Nationalhymne begrüßt. Einen toten Kameraden hatten wir hinter uns an Bord. Noch heute läuft es mir kalt den Rücken runter, wenn ich an diese traurige Heimkehr denke.
Schon am gleichen Abend berichteten der „Soldatensender 935“ und wohl auch der „Freiheitssender 904“ über das Unglück. Beide Sender waren angeblich in der Bundesreublik stationiert (auf LKW) , hatten die Sendeanlagen aber in der DDR.
Alle Soldaten der 4. Kp gaben dann dem Kameraden Kurt Schmidt in seinem Heimatort Heidenau das letzte Geleit. Sechs Soldaten waren die Sargträger.
Trotz allem. Der Wehrdienst war für mich eine wichtige Zeit, welche ich nicht missen möchte. Ich habe manches gelernt, besonders im Umgang mit meinen Mitmenschen.

Zeitungsbericht : Hamburger Abendblatt 18.05.1961 Danke, Jörg Christenson

Zeitungsartikel vom 16.05.2012 Danke, Günther Renz und Manfred Watzlawik
